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Diversität als Erfolgsquelle: Frau Dr. Petra Köppel im Gespräch

Die Bereitschaft, für den Job in ein anderes Land zu ziehen, ist so hoch wie noch nie: Laut einer Trendstudie des Karriereportals Stepstone aus dem Jahre 2015 würden weltweit 64% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ins Ausland gehen, um dort zu arbeiten. Doch auch im Heimatland ist Internationalität keine Seltenheit: In Deutschland kommuniziert eine Fachkraft beruflich fast eineinhalb Stunden pro Tag in einer anderen Sprache – Tendenz steigend. Frau Dr. Petra Köppel ist Inhaberin des Beratungsunternehmens Synergy Consult, und berät große und mittlere Unternehmen wie beispielsweise Talanx, Bayer, Aesculap oder Rolls-Royce Power Systems zu Fragen rund um Diversity Management und Unternehmenskultur. Außerdem gibt sie am Zentrum für Schlüsselkompetenzen (ZfS) Seminare im Bereich der interkulturellen Kompetenz. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, ob es eine Art „universelle Unternehmenskultur“ gibt, ob man gewisse Charaktereigenschaften braucht, um interkulturelle Kompetenz zu erlernen und worauf besonders deutsche Studierende im interkulturellen Kontext achten sollten.

ZfS: Frau Dr. Köppel, Sie haben Volkswirtschaft mit internationalem Schwerpunkt an den Universitäten Passau, Málaga und Trier studiert und waren unter anderem für die Bertelsmann Stiftung und Robert Bosch tätig. Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem jetzigen Beruf als Beraterin und Trainerin?

Petra Köppel: Insbesondere freut es mich, die positiven Entwicklungen zu sehen und diese mitzugestalten: Mehr und mehr wird interkulturelle Kommunikation als ein Schlüsselfaktor gesehen und so beispielsweise bereits Studierenden vor ihren internationalen Einsätzen als Training angeboten. Nachdem ich selbst als Passauer Studentin ins Ausland gegangen bin, kann ich dabei gut die Bedürfnisse und Herausforderungen nachempfinden und diese als Trainerin aufgreifen.

ZfS: In Ihrem Artikel „Sieben Gedanken – Diversity Management“ (2014) in dem Fachmagazin Human Resources Manager geben Sie sieben Empfehlungen für das Management von Vielfalt in Unternehmen. Was sind die Chancen und was die Probleme, die durch Vielfalt in Unternehmen entstehen können?

Köppel: Aufgrund von Diversität kommt es ganz automatisch zu Missverständnissen. Je vielfältiger ein Team ist, desto mehr kann es zu Meinungsverschiedenheiten kommen. Doch erwiesenermaßen werden diejenigen Teams, denen es gelingt, ihre anfänglichen Konflikte in den Griff zu bekommen und Kapital aus den Unterschieden zu schlagen, langfristig erfolgreicher. Warum? Weil sie kreativer und innovativer arbeiten und die unterschiedlichen Fähigkeiten ihrer Mitglieder zielgerecht einsetzen können. Dabei fühlt sich auch jeder Einzelne besser aufgehoben und integriert und revanchiert sich mit Engagement und Loyalität. Voraussetzung ist natürlich die entsprechende Kompetenz im Umgang mit Unterschieden.

ZfS: Gibt es in internationalen Unternehmen mit zahlreichen Auslandsstandorten so etwas wie eine universelle Unternehmenskultur?

Köppel: Ja und nein. Natürlich haben Unternehmen wie das amerikanische Google, die deutsche Siemens oder der österreichische Red Bull eine eigene Kultur - ihre Branche, ihr Produkt, ihre Strukturen, ihre Lenker und ihre Herkunft legen fest, wie man miteinander arbeitet. Dies ist auch sehr wichtig für eine gemeinsame Orientierung und Identität. Doch selbstverständlich braucht es eine lokale Anpassung – diese ergibt sich von ganz alleine: Sowohl lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner, Kundinnen und Kunden, als auch nationale Gegebenheiten prägen die dortige Unternehmenskultur. Und dies ist für den lokalen Erfolg unabdingbar.

ZfS: Am ZfS geben Sie Seminare zu interkultureller Kompetenz im spanisch-sprachigen Raum und das Seminar "Basistraining Interkulturelle Kommunikation". Kann jeder interkulturelle Kompetenz lernen oder sind Charakterzüge wie Empathie, Einfühlsamkeit und Sensibilität Voraussetzung, um erfolgreich in einem interkulturellen Team zu arbeiten?

Köppel: Jeder Mensch glaubt erst einmal, dass er die Dinge richtig macht. Manche Menschen sind offener dafür, dies beizeiten zu überdenken und sich zu verändern. Das sind auch diejenigen Menschen, die sich prinzipiell mit neuen Situationen wie zum  Beispiel einem Auslandsaufenthalt leichter tun und sich so gut selbst reflektieren, dass sie gar kein interkulturelles Training benötigen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die eher nach Stabilität und Sicherheit streben, Angst davor haben, sich selbst in Frage zu stellen und Andersartigkeit daher eher ablehnen. Das sind Menschen, die besser nicht hinaus in die Welt geschickt werden, weil sie sich selbst und andere damit nicht glücklich machen würden. Die Mehrheit aller Menschen bewegt sich wohl im großen Spielraum dazwischen und kann über Trainings angeregt werden, über sich nachzudenken und dann im interkulturellen Kontakt Neues auszuprobieren. Also: je mehr Sensibilität und Selbstreflektion jemand mitbringt, desto leichter fällt ihm die Arbeit in interkulturellen Situationen. 

ZfS: Was sollten vor allem deutsche Studierende beim Arbeiten in interkulturellen Teams beachten?

Köppel: Der beste Tipp ist, sich in die Lage des Anderen hineinzuversetzen. Wie definiert mein Gegenüber die Teamaufgabe? Was ist sein Verständnis von Zusammenarbeit? Wie geht es ihm als Fremder im Land oder an der Universität? Wie sind seine Bedürfnisse hinsichtlich Kommunikation und Austausch? Wenn man sich zu diesen Fragen auf ein Bier oder einen Kaffee zusammensetzt, um sich erst einmal als Mensch kennen zu lernen, ist ein guter Start gegeben. Im weiteren Verlauf ist es sinnvoll, die Projektaufgabe gemeinsam zu klären, Regeln zu vereinbaren und regelmäßig im Dialog zu bleiben, um mögliche Probleme rechtzeitig zu erkennen. Speziell für deutsche Studierende ist es häufig eine Herausforderung, zwischen den Zeilen zu lesen; sich etwas in indirekter Kommunikation zu üben, hilft in den meisten internationalen Teams.

ZfS: Bitte vervollständigen Sie folgende Sätze:

Meine Seminare unterscheiden sich von anderen durch….

Köppel: ...viele Übungen, um möglichst weitgehend 'das richtige Leben' abzubilden.

Und: Ich bin zufrieden mit dem Seminar, wenn…

Köppel: ...ich es geschafft habe, die Teilnehmenden zum Nachdenken anzuregen.

ZfS: Vielen Dank für das Gespräch!

| 05.06.2016

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